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Bio Linda und der Reichskanzler
Was bedeutet die Kartoffel für unser Bruttosozialprodukt?
Fastfood gegen gesunde Ernährung. Was ist besser für unser Bruttosozialprodukt? Eine florierende Wirtschaft oder viele gesunde Menschen? Schauen wir doch mal was eine Kartoffel im Laufe ihres Lebens bewirken kann.
Als Kartoffel des Jahres 2007 hat Bio Linda bereits Karriere gemacht. Sie hat einen cremig-buttrigen Geschmack und ist die ideale Pellkartoffel.
Lindachen wächst auf dem Acker von Bauer Paul, wird dort geerntet, gewaschen, in 2,5 Kilo Säcke verpackt und mit einem LKW zur Zentrale eines Discounters gebracht. Von dort aus wird sie auf die einzelnen Filialen verteilt und landet so im Einkaufskorb von Herta Semmelrogge. Sie freut sich auf Pellkartoffeln mit Heringsstip (Heringssalat) und so kocht Linda bereits kurze Zeit später mit ein paar Artgenossen in einem großen Topf vor sich hin.
Damit ist ihr Leben aber noch nicht beendet. Herta und ihren beiden Kindern schmeckt das Mittagessen. Sie sind danach satt und zufrieden. Die Kinder machen ihre Hausaufgaben und treffen sich danach mit ihren Freunden, Herta geht wieder an ihren Schreibtisch und kann noch einige Dinge erledigen. Durch ihre Inhaltsstoffe gibt die Kartoffel den drei Essern Kraft und Energie für den Restlichen Tag, ohne die Kalorienbilanz unnötig zu strapazieren.
Was hat die Kartoffel aus wirtschaftlicher Sicht geleistet? Linda hat Arbeitsplätze erhalten.
Die von:
- Bauer Paul und seinen Helfern
- Dem LKW-Fahrern
- Den Discount-Mitarbeitern
Und was kann der Reichskanzler? Nein, diese Sorte taugt für das nächste Beispiel nicht (mir hat nur der Name so gut gefallen), viel zu lieblich und zu gesund. Nehmen wir lieber den Ackersegen. Große Knollen und gute Erträge empfehlen sie für eine industrielle Weiterverarbeitung. Sie wächst in einem großen Agrarbetrieb, wird dort geerntet, gewaschen, in 50 Kilo-Säcke gefüllt und auf LKW’s zu einem großen Lebensmittelverarbeitenden Betrieb gebracht. Dort wird sie wieder gewaschen, geschält, zerschnitten, frittiert, abgekühlt, erneut frittiert, gewürzt und als Pommes frites verpackt mit LKW’s zur Zentrale eines Discounters gebracht und landet dort im Einkaufswagen der Familie Maier.
Zu den Pommes gibt es noch eine Tüte tiefgefrorenes Gemüse die mit zwei Bechern Sahne und einer Menge Rahmverdickungsmittel aufbereitet wird. Zur Abrundung des Menus werden panierte Schnitzel frittiert und alles zusammen wird mit reichlich Ketchup und Mayo serviert (ca. 1000 Kalorien pro Portion, auch bei der Vierjährigen). Ich übertreibe? Dann seht Euch den SWR-Filmbericht vom 16.09.2009 an. Link zur Sendung: http://www.swr.de/betrifft/uebergewicht-adipoes-gewichtsproblem/-/id=98466/did=5085906/pv=video/gp1=5376562/nid=98466/tf2wir/index.html
Fast die ganze Familie ist übergewichtig, die kleinste, die vierjährige Eileen wiegt bereits 23 Kilo und lebt jetzt schon mit einem hohen Gesundheitsrisiko.
Aber wie dem auch sei, der Familie hat es geschmeckt. Alle sind nach dem Essen etwas träge, aber eigentlich ganz zufrieden, wenn nicht das schlechte Gewissen wegen der Waage wäre.
In Bezug auf das Bruttosozialprodukt ist der Ackersegen (hier nur als Beispiel genannt) ein wahres Wirtschaftswunder. Die Kartoffel leistet ihren Beitrag zur Erhaltung folgender Arbeitsplätze:
- Die Arbeitnehmer des Agrarbetriebes
- Die LKW-Fahrer
- Die Arbeitet eine Lebensmittelverarbeitenden Betriebes
- Die Angestellten des Discounters
- Den Kinderarzt
- Die Ernährungsberaterin
- Das Kur-Sanatorium wo die kleine Eileen abspecken wird
- Die Weight Watchers, die Eileen wahrscheinlich ihr ganzes Leben lang begleiten werden
- Und nicht zu letzt das Fernsehteam, was wiederum ihren Weg begleiten wird.
So, nun die Frage: Wer leistet mehr für unsere Gesellschaft: Linda oder Ackersegen? Bei aller Polemik, eine schwierige Frage finde ich. Was ist besser: Vielen Leuten Arbeit geben und sie dadurch am Essen halten, aber gleichzeitig krank zu machen, oder lieber gesunde Ernährung bei weniger Arbeitsplätzen?
Eure Meinung interessiert mich.
Eure
Balba
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